PE vom 25.02.2016: "Wir brauchen eine Praxis der unmissverständlichen Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt“

+++ Unabhängige Beratungsstellen unterstützen doppelt so viele Betroffene rechter und rassistischer Gewalt wie in den Vorjahren und fordern mehr Unterstützung durch Bund und Länder +++

Angesichts der massenhaften rassistischen Mobilisierungen und Gewalt brauchen wir jetzt eine Praxis der unmissverständlichen Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt“, sagt Judith Porath vom Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.). Daher begrüßt er die am vergangenen Dienstag verkündete Aufstockung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. „Wir erwarten, dass die unabhängigen Opferberatungsstellen angesichts der völligen Überlastung der Beratungseinrichtungen substanziell mehr finanzielle Unterstützung durch den Bund und die Länder erhalten“, so Porath weiter. Denn eine flächendeckende professionelle Beratung der Betroffenen sei mit der aktuellen Unterfinanzierung der Beratungsprojekte in Ost- und Westdeutschland nicht mehr gewährleistet.


Die unabhängigen Beratungsstellen für Opfer rechter und rassistischer Gewalt haben im Jahr 2015 mehr als doppelt so viele Betroffene rassistischer und rechter Gewalt unterstützt und begleitet
. Allein die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte hat sich mehr als vervierfacht. Täglich gibt es eine Vielzahl von Angriffen auf Menschen, die in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, auf Migrant_innen, auf engagierte Flüchtlingsunterstützer_innen, Journalist_innen, die von rechtspopulistischen Aufmärschen berichten, Politiker_innen, die sich für eine Willkommenskultur aussprechen oder alternative Jugendliche, die sich gegen Rechts positionieren.

 „Wir unterstützen Menschen nach Gewalttaten dabei, ihre Rechte wahrzunehmen. Aufgrund der hohen Angriffszahlen bundesweit, haben wir eine Grenze des Machbaren erreicht, sodass nicht mehr alle Betroffenen die Unterstützung erhalten, die notwendig ist.“, so Porath. Die Politik habe erkannt, dass Deutschland von einer Welle rechten Terrors überrollt wird. Um langfristig wieder ein solidarisches Klima erzeugen zu können, müssen Prävention und Intervention Hand in Hand gehen. Bisher stünden bei fast allen staatlichen Bemühungen die Täter_innen im Fokus. Die Opfer der rassistischen Hetzer, Brandstifter und Schläger geraten schnell wieder aus dem Blick, kritisiert der Verband. Dabei müssen insbesondere die Betroffenen gestärkt und unterstützt werden.


Der VBRG e.V. ist der Bundesverband unabhängiger Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Deutschland. Er koordiniert die Vernetzung der Beratungsstellen, vertritt deren gemeinsame Interessen und unterstützt den flächendeckenden Auf- und Ausbau unabhängiger fachspezifischer Beratungsstrukturen.


Im März wird der VBRG eine gemeinsame Statistik der Angriffszahlen veröffentlichen, die die Beratungsstellen für das Jahr 2015 dokumentiert haben.


Ansprechperson für Nachfragen:

Judith Porath, Koordinatorin im VBRG e.V., 0151 - 59 10 00 82, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!