PE vom 12.02.2016: Erste hessenweite Beratungsstelle für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt „response.“ nimmt Arbeit auf

Pressemitteilung von Response.: Die erste hessenweite, von Bund und Land geförderte Beratungsstelle response. Beratung für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt hat nach einer intensiven Phase des Aufbaus ihre Arbeit in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main aufgenommen.

response. berät, begleitet und unterstützt Menschen, die von rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer, antimuslimischer und antiziganistischer Gewalt betroffen sind.

Der Bedarf eines solchen Beratungsangebots ist offensichtlich – nicht zuletzt zeigen das die aktuellen Entwicklungen: „Wir haben es derzeit bundesweit mit einem beispiellosen Anstieg von Gewalttaten und rassistischen Angriffen auf Geflüchtete und MigratInnen zu tun“, sagt Olivia Sarma, Leiterin von response. auf der Pressekonferenz am Freitag in Frankfurt. Laut Bundeskriminalamt haben sich 2015 diese spezifischen Gewalttaten im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht. Auch in Hessen ist ein massiver Anstieg rassistischer Angriffe und Übergriffe zu verzeichnen. Das Aufkommen sog. „Bügerwehren“ – etwa im hessischen Fulda – liefert weiteren Anlass zur Beunruhigung.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird aber genau das Gegenteil verhandelt: „In politischen Debatten und medialen Diskursen geht es vorwiegend um Geflüchtete als Bedrohung und kaum um die vielfältigen Bedrohungssituationen, denen die Geflüchteten ausgesetzt sind“, sagt Olivia Sarma. Diese Täter-Opfer-Umkehr sei eine Spezifik bei der Verhandlung von rassistischer Gewalt. „In unserer Beratungsarbeit erleben wir außerdem, dass die Bagatellisierung rechter oder rassistischer Tatmotive und die Erfahrungen von Alltagsrassismus die Verarbeitungsprozesse erheblich erschweren“, so Sarma weiter. Die ersten Beratungsfälle von response. umfassen Körperverletzung und rassistisches Mobbing an Schulen.

Vor diesem aktuellen Hintergrund hat das Beratungsteam von response. die Arbeit als erste hessenweite institutionalisierte und durch die öffentliche Hand geförderte Beratungsstelle aufgenommen. 

"Starkes Zeichen der Anerkennung der Opferberatung"

„Die Gründung von response. ist ein starkes Zeichen der Würdigung und Anerkennung der Opferberatung auch auf landespolitischer Ebene“, sagt Dr. Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums im beratungsNetzwerk hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, das an der Philipps- Universität Marburg angesiedelt und Auftraggeber für die Beratungsstelle response. ist.  Seit 2007 bietet das beratungsNetzwerk Hessen u.a. Beratung von Organisationen und Einzelpersonen nach Vorkommnissen mit einem rechtsextremen, antisemitischen, rassistischen oder antidemokratischen Hintergrund an. „Dass wir uns für die Bildungsstätte Anne Frank als Träger für response. entschieden haben, ist Ergebnis einer sehr guten und langjährigen Zusammenarbeit.“

„Wir verstehen die Förderung durch Land und Bund als Signal, dass der Problematik rechter und rassistischer Gewalt die dringend notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird“, ergänzt response.-Leiterin Olivia Sarma. „Unsere Aufgabe sehen wir auch darin, die Perspektiven und Forderungen von Betroffenen an die politischen Entscheidungsträger heranzutragen.“

Beratung für Betroffene rechter und rassistischer Gewalt erfordert vielfältige Perspektiven und (Fach)Kompetenzen: Deshalb ist response. interdisziplinär aufgestellt und arbeitet mobil, aufsuchend, mehrsprachig und vernetzt. „Wir vermitteln relevante Informationen und Kontakte, zum Beispiel strafrechtlicher oder psychotherapeutischer Art“, sagt Olivia Sarma. „Das Sprechen über das Erlebte und die Folgen gehört genauso zu unsere Beratungsarbeit wie die Thematisierung gesellschaftlicher Verhältnisse und ‚Mikroaggressionen‘ im Alltag.“ Die Herstellung von Öffentlichkeit ist ein Angebot an die BeratungsnehmerInnen – geschieht aber nur auf ihren ausdrücklichen Wunsch. „Auch der Aufbau lokaler Netzwerke vor Ort für eine schnelle, kompetente und nachhaltige Unterstützung von Betroffenen sowie die Recherche und Dokumentation rechter und rassistischer Vorfälle sind wichtige Aspekte der Arbeit, damit wir Bedarfe, Dynamiken und Problemfelder identifiziert können“, sagt Olivia Sarma.

Es geht vor allem darum, die Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit dem Erlebten zu stärken – und dabei auf bereits vorhandene Formen der Unterstützung und des Engagements aufzubauen. „Institutionell und strukturell verankertem Rassismus treten wir entschieden entgegen und setzen uns mit unserer Arbeit für eine solidarische, gewaltfreie und emanzipatorische Gesellschaft ein“, sagt Olivia Sarma.

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response. wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Rahmen des Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport gefördert.
response. orientiert sich in ihrer Arbeit an den Qualitätsstandards des bundesweiten „Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e.V.“
(siehe Pressemappe). 

Weitere Informationen / Ansprechpartnerin für die Presse:

Eva Berendsen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / 069 - 5600032

bs-anne-frank.de
response-hessen.de

 

 

Anlässlich der Eröffnung sind in der Frankfurter Rundscha und der Frankfurter Neuen Presse Artikel erschienen. Es ist außerdem ein Beitrag von Rheinmaintv auf Youtube dazu veröffentlicht worden.