Entstehung und Aufgaben

Die Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Ostdeutschland und Berlin haben seit Anfang der 2000er Jahre tausende Betroffene sowie deren soziales Umfeld beraten und unterstützt. Betroffene werden bei der Bewältigung materieller sowie immaterieller Angriffsfolgen unterstützt, mit dem Ziel die Handlungsfähigkeit wiederherzustellen.

Seitdem die Beratungsstellen in den neuen Bundesländern und Berlin ihre Arbeit aufgenommen haben existiert eine intensive Vernetzung. Ziel der Zusammenarbeit war es die Perspektive der Betroffenen von rechter Gewalt und die Arbeit der Beratungsstellen auf politischer Ebene zu begleiten. Darüber hinaus wurden über die Jahre umfassende Qualitätsstandards für die gemeinsame Arbeit entwickelt. Die Vernetzung unterstützte auch den Aufbau neuer Beratungsstellen. Seit vielen Jahren werden gemeinsame Angriffszahlen für die neuen Bundesländer und Berlin veröffentlicht. Aufgrund des gemeinsamen Monitorings rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie durch gemeinsame Einschätzungen des Phänomens ist bekannt, dass in Ostdeutschland und Berlin mindestens zwei rechte bzw. rassistische Angriffe pro Tag stattfinden.

Rechte Gewalt ist ein andauerndes Problem, dem langfristig nur mit geeinten Kräften effektiv begegnet werden kann. Im Jahr 2014 haben sich deshalb Initiativen und Beratungsstellen aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen zusammengeschlossen und den Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) gegründet. Ziel ist es die Arbeit der Beratungsstellen weiter zu professionalisieren um den Betroffenen auch in Zukunft bestmögliche Unterstützung bei der Bewältigung der Tatfolgen geben zu können. Als geeinte Struktur werden wir zukünftig auch noch erfolgreicher die Perspektiven und Bedürfnisse der Betroffenen in die Debatte um rechte, rassistische und antisemitische Gewalt tragen können.

Die im VBRG organisierten Opferberatungsstellen haben sich gemeinsamen Qualitätsstandards verpflichtet. Diese basieren auf den langjährigen fachspezifischen Erfahrungen in der Opferberatung und der spezialisierten Expertise im Einsatz für konsequenten Opferschutz und gegen rechte, rassistische und antisemitische Gewalt. Die gemeinsamen Standards garantieren eine hohe Qualität für unsere Arbeit und die zukünftiger Beratungsstellen. Darüber hinaus sichern sie den nachhaltigen Erfolg unserer Angebote.

Seit 2016 wird der Ausbau des Verbands mit einer Geschäftsstelle in Berlin im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ finanziert. Mit potentiellen Neumitgliedern stehen wir kontinuierlich in intensivem Austausch und Kontakt.

Zu den Aufgaben des VBRG zählen:

1. Die Vernetzung und Fortbildung der Beratungsstellen sowie deren Mitarbeiter_innen. Dazu finden regelmäßige Treffen der Vertreter_innen der Beratungsstellen statt, um sich über die gemeinsame Arbeit, Handlungsmöglichkeiten und ein einheitliches Vorgehen zu verständigen. Darüber hinaus gibt es bundesweite Fortbildungs- und Vernetzungstreffen. Diese stehen allen Mitarbeiter_innen fachspezifischer Opferberatungsstellen offen, auch wenn sie nicht dem Verband angehören. Zwei Veranstaltungen pro Jahr dienen ausschließlich der Professionalisierung der Beratungsarbeit.

2. Der Verband organisiert eine gemeinsame Interessenvertretung nach außen und ist Ansprechpartner für Medien und Politik zum Thema rechte, rassistische und antisemitische Gewalt. Mitarbeiter_innen und Sprecher_innen des Verbandes führen Pressegespräche, nehmen an Podien teil und beraten politische Akteure zum Themenfeld.

3. Der Aufbau flächendeckender, fachspezifischer und unabhängiger Beratungsstrukturen in allen Bundesländern wird durch uns unterstützt. Der Verband steht Beratungsstellen im Aufbau mit den langjährigen Erfahrungen seiner Mitglieder zur Seite. Er unterstützt bei der Konzeption sowie bei der Ausbildung der Berater_innen.

4. Der VBRG ist den 2014 gemeinsam mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) entwickelten  Qualitätsstandards verpflichtet und arbeitet an der Weiterentwicklung dieser. Mit neuen Herausforderungen, gesellschaftlichen Entwicklungen und einer Vergrößerung der Zielgruppen, geht auch die Weiterentwicklung der Qualitätsstandards einher

5. Die Mitgliedsorganisationen des VBRG sind wichtige Akteure im Bereich Monitoring rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Gründe dafür sind ihre jahrelangen Monitoringerfahrungen, die gemeinsamen Erfassungskriterien und der proaktive Rechercheansatz, der notwendig ist, um Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt besser erreichen zu können. Aufgrund unserer Qualitätsstandards können wir eine hohe Qualität und Validität der im Monitoring erfassten Informationen garantieren. Der VBRG wird sich zukünftig für den Aufbau eines bundesweiten unabhängigen Monitorings rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt einsetzen. So können in Zukunft noch verlässlichere, faktenbasierte, qualitative und quantitative Aussagen über die Entwicklung von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und spezifische Bedrohungslagen getroffen werden.