Der Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf vor 25 Jahren
Ein Fachtag zu Struktur und Wirkung von Rechtsterrorismus, Antisemitismus und anti-osteuropäischen Rassismus
Am 27. Juni 2025 fand an der Hochschule Düsseldorf der erste gemeinsame Fachtag des Kooperationsverbundes Opfer- und Betroffenenberatung (KOBB) statt. Gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis – darunter Fabian Virchow, Marina Chernivsky, Heike Kleffner, Gideon Botsch, Kristin Pietrzyk sowie mit lokalen Initiativen – wurde am Beispiel des rechtsterroristischen Anschlags am Düsseldorfer S-Bahnhof „Wehrhahn“ vom 27. Juni 2000 über dessen Bedeutung gesprochen. Im Mittelpunkt standen dabei die Folgen der Straflosigkeit für direkt und indirekt Betroffene sowie die Rolle von Antisemitismus und anti-osteuropäischem Rassismus als oftmals übersehene Tatmotive im Kontext des Rechtsterrorismus.
Der Fachtag richtete sich insbesondere an Interessierte und Engagierte in den Themenfeldern Antisemitismus, Rassismus, Demokratiebildung und Rechtsterrorismus, Fachkräfte der Sozialen Arbeit, pädagogisch Tätige an Gedenkstätten und Erinnerungsorten in NRW, Ehrenamtliche, potenzielle Betroffenengruppen, jüdische Hochschulgruppen, Studierende der Sozialen Arbeit, Studierende in den Fachbereichen Rechtswissenschaften, Kriminologie und Sozialwissenschaften sowie Polizeihochschulen.
Ein Fachtag von VBRG e.V. und OFEK e.V. im Rahmen des Kooperationsverbunds Opfer- und Betroffenenberatung (KOBB) in Kooperation mit FORENA – Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der Hochschule Düsseldorf sowie Antirassistisches Bildungsforum Rheinland, Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf, Initiative Wehrhahn erinnern, Opferberatung Rheinland und SABRA – Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus.
Programm
Keynotes und Speaker:innen:
Keynote 1: „Der Wehrhahn-Anschlag am 27. Juli 2000 als Geschichte von Straflosigkeit rechter Gewalt“; Prof. Dr. Fabian Virchow, Leiter von FORENA und u.a. Herausgeber eines Sammelbands anlässlich des 25. Jahrestags des Anschlags.
Keynote 2: „Jahrzehnte der Straflosigkeit und Wirkung von Terroranschlägen auf Betroffene“; Marina Chernivsky, Psychologin und Geschäftsführerin von OFEK e.V.
Expert:innen-Roundtable mit folgenden Impulsvorträgen „Übersehene Tatmotive im Rechtsterrorismus“ (Prof. Gideon Botsch, Leiter der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelsohn Zentrum) und „Es geht auch anders: Juristische Aufklärung über 30 Jahre nach dem tödlichen Neonazi-Brandanschlag in Saarlouis 1991 (Kristin Pietrzyk, Rechtsanwältin und Nebenklagevertreterin)
Praxisworkshops:
Workshop 1: „Warum dieser Aufwand?“ Kritische Prozessbeobachtung als dokumentarische Praxis zwischen Aufklären und Einmischen – vom NSU-Prozess bis zum Gerichtsverfahren 18 Jahre nach dem Anschlag am S-Bahnhof Wehrhahn. (Workshop-Leitung: NSU Watch)
Workshop 2: Begleitung von Betroffenen rechter Gewalt in Strafverfahren: Perspektiven der Opferberatungsstellen anhand der Beispiele Wehrhahn und Halle. (Workshop-Leitung: Katherina Savchenka und Jan-Robert Hildebrandt, Opferberatung Rheinland OBR und Rachel Spicker, Mobilen Opferberatung Sachsen-Anhalt)
Workshop 3: Zur Mehrdimensionalität von Antisemitismus und anti-osteuropäischen Rassismus. (Workshop-Leitung: Anna Zubaty und Dorothea Kleintges, OFEK e.V.)
Abschlusspanel: Wie gedenken?! Zwischen Solidaritäten und Betroffenheiten.
Inputs zu Beispielen von Gedenkpraxen u.a. mit der Künstlerin Talya Feldman (Wir sind hier / Stopp Zuhören Begegnen), der Initiative Wehrhahn erinnern, Katherina Savchenka, Beraterin der Opferberatung Rheinland OBR und Kutlu Yurtseven (Herkesin Meydanı.)
Moderation: Ali Şirin (Bündnis Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich Dortmund)
Gesamtmoderation: Heike Kleffner, Journalistin und Geschäftsführerin des VBRG e.V

