Webdokumentation

„Gegen uns: Betroffene im Gespräch über rechte Gewalt seit 1990 und die Verteidigung der solidarischen Gesellschaft“.

Episode 2 – Rashid Jadla aka Sonne Ra

Rashid Jadlas Geschichte ist die Geschichte von #Migrantifa im Osten seit den 1970er Jahren und die neue Episode der Webdokumentation #gegenuns von Filmemacherin Julia Oelkers, VBRG e.V. und ezra.

Rashid Jadla aka Sonne Ra wird 1978 als Sohn eines algerischen Vertragsarbeiters in #Erfurt geboren. Er erfährt schon als Kind Rassismus im Alltag und in den Institutionen der DDR. Aus der rassistischen Gewaltspirale befreit er sich durchs Rappen, durch antirassistische Selbstorganisation in der BPoC Community und durch migrantifaschistische Kämpfe in Erfurt. Weitere Gesprächspartner*innen dieser Episode sind José Paca, Sprecher des Dachverbands der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland, seit 2001 Mitglied im Bundesausländerbeirat und seit 2008 der Vorsitzende des Ausländerbeirats in Erfurt. Mit Fotos von Jasper Kettner!

Die zweite Folge von gegenuns wurde in Kooperation mit ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen – produziert. „Die Interviews mit Rashid Jadla, José Paca und Josina Monteiro aus Erfurt zeigen uns die bisher ungeschriebene migrantische Geschichte Erfurts. Die autobiographischen Erinnerungen von Rashid Jadla an früheste Rassismuserfahrungen in seiner Kindheit sind bitter und zeugen von unzumutbaren antidemokratischen Lebensbedingungen für Betroffene rechter und rassistischer Gewalt. Sie zeigen aber auch, dass Rashid und seine Freund*innen nie passiv zugeschaut haben, sondern aktiv gegen Rassismus und Neonazis Zivilcourage gezeigt haben. Migrant*innen haben zur Demokratisierung der Stadtkultur beigetragen und die solidarische Gesellschaft für alle Erfurter*innen verteidigt. Das zeigt und würdigt die Webdokumentation #gegenuns,“ sagt Franz Zobel von ezra.

Episode 1 – Jorge Gomondai

Anlässlich des 29. Todestages von Jorge Gomondai, der am 6. April 1991 nach einem rassistisch motivierten Angriff durch Neonazis in einer Straßenbahn in Dresden starb, starteten die Opferberatung „Support“ der RAA Sachsen e.V. und der VBRG die Webdokumentation „Gegen uns: Betroffene im Gespräch über rechte Gewalt seit 1990 und die Verteidigung der solidarischen Gesellschaft“. Der 28-jährige ehemalige Vertragsarbeiter Jorge Gomondai ist das erste bekannte Todesopfer rassistischer Gewalt in Sachsen.

„Die Interviews mit Familienangehörigen in Mosambik, Freund*innen und Weggefährt*innen aus Dresden auf www.gegenuns.de sind ein wichtiger Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur“, sagt Robert Kusche, Geschäftsführer der Opferberatung „Support“ der RAA Sachsen e.V. und Vorstandsmitglied beim VBRG e.V. „In Dresden fallen wegen der Coronakrise heute die meisten Gedenkveranstaltungen vor Ort aus. www.gegenuns.de ermöglicht ein Gedenken an Jorge Gomondai, das zugleich persönlich und politisch ist.“

Das Projekt „Gegen uns.“

Die Webdokumentation www.gegenuns.de füllt eine Leerstelle: „Die Perspektive der Angegriffenen auf drei Jahrzehnte rechte, rassistische und antisemitische Gewalt und ihre anhaltenden Folgen steht hier im Mittelpunkt“, betont Robert Kusche. Das mörderische rassistische Attentat in Hanau, das rechtsterroristisch, antisemitisch und rassistisch motiviert Attentat in Halle/S. sowie der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke machten deutlich, dass „eine Auseinandersetzung mit den Kontinuitäten von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt im wiedervereinigten Deutschland dringend notwendig ist.“

„Gegen Uns“ wurde mit dem deutschen Einheitspreis 2020 https://www.einheitspreis.de/die-preistragenden/ in Silber, in der Kategorie Digitales ausgezeichnet.

Fortsetzungen folgen

Anhand von ausgewählten Porträts, Interviews und zeitgeschichtlichen Dokumenten aus unterschiedlichen Bundesländern in Ost- und Westdeutschland dokumentiert www.gegenuns.de auch vielfältige Formen von Widerstand und Solidarität. Geplant sind weitere Folgen mit Porträts, u.a. der 2007 in Dresden aus antimuslimischen Rassismus getöteten Apothekerin Marwa el-Sherbini und Überlebender rassistischer Gewalt in Bayern. Die Fälle stehen exemplarisch für unterschiedliche Konjunkturen rechterGewalt. Jede Episode dokumentiert neben der lebensbiographisch-persönlichen Erzählung auch die strafrechtliche (Nicht-)Aufarbeitung, die Erinnerungspolitik vor Ort und die persönliche und zivilgesellschaftliche Aufarbeitung.

„Das Material gibt Einblicke in die Leben der Überlebenden und Ermordeten rechter Gewalttaten. Zum anderen dokumentiert es die Folgen der rassistischen Mobilisierung ebenso wie die Auswirkungen dieses Verbrechens sowie die ambivalente Rolle von Staat, Polizei, Medien und Politik, die oft nicht konsequent gegen rechte Täter*innen vorgeht. www.gegenuns.de  setzt hier einen Kontrapunkt und stellt die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt.“, sagt Filmemacherin Julia Oelkers.

Unterstützung und Förderung

www.gegenuns.de ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. (VBRG) und der Opferberatung „Support“ des RAA Sachsen e. V. Die Plattform www.gegenuns.de wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, durch das Demokratiezentrum Sachsen sowie durch medico international. Die erste Folge zu Jorge Gomondai wurde maßgeblich mit Mitteln des Demokratiezentrums Sachsen sowie medico international realisiert.