Studie: Sekundäre Viktimisierung – Im Fokus: Polizei und Justiz

Ausgangspunkt der aktuellen Studie „Sekundäre Viktimisierung von Betroffenen rechter, rassistischer, antisemitischer und sexualisierter Gewalt – Im Fokus: Polizei und Justiz“ sind Berichte von Betroffenen von rechter Gewalt – auf Social Media, in der Beratungsarbeit oder in Ermittlungsverfahren – über Erfahrungen einer sekundären Viktimisierung im Kontakt mit Polizei und Justiz.

Durchgeführt wurde die Studie von dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Kooperation mit dem VBRG e.V. und der Opferberatungsstelle ezra in Thüringen. Sie zeigt sekundäre Viktimisierung von Betroffenen rechter Gewalt durch Fehlreaktionen und institutionelle Muster von Polizei und Justiz auf.

Obwohl Unterschiede hinsichtlich der Lebensumstände der teilnehmenden Betroffenen, der erlebten Gewalt sowie der Tatmotive bestehen, sind große Übereinstimmungen und Muster in Bezug auf die Erfahrungen mit sekundärer Viktimisierung durch Polizei und Justiz erkennbar:

  • Lückenhafte Aufklärung und Berücksichtigung rechter Tatmotive
  • Täter*innen-Opfer-Umkehr, bei der den Betroffenen zumindest eine Mitverantwortung an Angriffen zugewiesen wird
  • Mangelhafte Kommunikation und fehlende Sensibilität

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Studie, dass es sich bei Erfahrungen mit sekundärer Viktimisierung durch Polizei und Justiz nicht um Einzelfälle auf individueller Ebene, sondern um ein institutionelles Problem handelt. Insofern sind auch institutionelle Veränderungen und Gegenmaßnahmen nötig, um sekundärer Viktimisierung durch Behörden wie Polizei und Justiz zukünftig entgegenzuwirken.

Mehrheitlich hatten die Befragten den Eindruck, dass es Polizist*innen nicht wichtig war, den politischen Hintergrund bzw. Tatmotive aufzuklären und sie entsprechende Hinweise und Aussagen ignorierten.

Studie zum Download: Studie – Sekundäre Viktimisierung 2023

Weitere Hilfsmaterialien

TASBAH-Studie veröffentlicht – Begleitung nach dem Attentat in Hanau

Nach dem rassistischen Attentat in Hanau werden die Betroffenen von einem Beratungsteam begleitet. Diese Begleitung wurde wissenschaftlich evaluiert. Die Ergebnisse sind hier veröffentlicht.

Broschüre zur Arbeit der Opferberatungsstellen

Die Broschüre „Beraten, Begleiten, Intervenieren. Unterstützung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Deutschland“ stellt die Arbeit des VBRG und der Beratungsstellen vor.
Cover Ratgeber Was tun nach rassistischer Gewalt 16 Sprachen VBRG 2024VBRG

Was tun nach einem rassistischen Angriff? Ein Ratgeber in 16 Sprachen

Der kompakte Ratgeber „Was tun nach einem rassistischen Angriff?“ bietet in 16 Sprachen wertvolle Informationen zu wichtigen Sofortmaßnahmen nach rassistischen Übergriffen und Bedrohungen. Er ist in folgenden Sprachen erhältlich: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch,...

Qualitätsstandards für eine professionelle Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Die Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt haben sich seit über 25 Jahren in professioneller Weise der Opferperspektive verpflichtet. Ihr Fachwissen und ihre Beratungskompetenz findet in den Qualitätsstandards Ausdruck.

Handreichung: Was tun nach einem rassistischen Angriff?

In zehn Sprachen informiert die Handreichung über die wichtigsten Sofortmaßnahmen nach rassistischen Bedrohungen und Angriffen. Verfügbar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Kurmanyi, Farsi, Pashto, Tigrinya, Albanisch und Romanes.

„Gut vernetzt“: Bedarfsanalyse von Online-Beratung

Mit der Studie "GUT VERNETZT" legt das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Zusammenarbeit mit dem VBRG e.V. eine erste Bilanz vor über die Erfahrungen mit dem Aufbau und der Nutzung von Online-Beratungsangeboten im Kontext von Rassismus, rechter Gewalt und...